6.8.2011
Wir frühstücken ganz in Ruhe, dann beginnt das große Packen.
Gegen 11 wird der Mover aktiv. Unsere Abfahrt mutiert unfreiwillig zur Vorstellung. Die meisten Holländer fahren einen weit kleineren Wohnwagen, einen Mover sieht man hier quasi gar nicht.
An der Rezeption lösen wir noch unsere beiden Verassing-Bons ein und bekommen zwei Molli-Mühlenfiguren. Die Mini-Camper sind happy.
Wir stocken noch unsere Brötchen-Vorräte auf und starten.
Über Hardenberg fahren wir auf gut ausgebauten Straßen Richtung Zwolle und dann dort auf der Autobahn Richtung Norden weiter. Es sind unzählige Wohnwagen unterwegs.
Gegen 13.30 Uhr erreichen wir Eernewoude und It Wiid. Wir halten schon einige Meter vor der Schranke und melden uns an. Die Schrankenkarte ist uns lt. Auskunft der netten Mitarbeiterin in der letzten Woche per Post zugegangen. Tja, da waren wir schon auf de Molenhof. Ohne viel Aufriss werden uns neue Karten für Schranke und Schwimmbad ausgestellt, dann bekommen wir ein Info-Paket und einen Platzplan. Wir stehen Feld Q, Platz 31. Die Dame erklärt, dass wir den Platz wohl nicht allein erreichen können, in der letzten Zeit sei sehr viel Regen gefallen. Wir sollen bis zu einer Wegkreuzung vor unserem Feld fahren und dann einen Mitarbeiter um Hilfe bitten. Wir fahren an der benannten Kreuzung und dem dort abgestellten Traktor vorbei. Erst mal gucken...
Vor unserem Feld steigen wir aus uns besichtigen die Stellplätze. Der Boden ist sehr weich, teilweise wurde Sand aufgetragen, wir können uns vorstellen, was hier los gewesen sein muss.
Unser Platz ist auch aufgefüllt worden, eine Durchfahrt des Sandbodens fällt aus. Sven hängt ab und will den Platz über den verbliebenen Grasstreifen anmovern. Nachdem das Laufrad des Wagens gefährlich einsinkt, siegt die Vernunft und ich gehe mit Malte den Traktor zu Hilfe rufen.
Der Fahrer des Traktors sagt uns schnelle Hilfe zu und düst los.
Als ich mit Malte an unserer Stellfläche ankomme, ist er bemüht, einen Holländer zu platzieren. Der Camper hat allerdings keine Keile dabei und kann in der Schieflage nicht stehen bleiben. Nach kurzem Telefonat mit der Rezeption kann er auf einen anderen Platz ausweichen.
Nun sind wir an der Reihe. Der Wohnwagen sinkt erschreckend ein, läuft aber brav dem Traktor nach. Ich habe kurz Angst um den Mover, aber alles passt, wenn auch knapp.
Ok, wir glätten die Fahrspuren des Traktors und bauen auf.
Die in gleicher Reihe stehenden Holländer berichten von ergiebigen Regenfällen am Mittwoch und Donnerstag. Sven will nur die Markise stellen, höchstens ein Seitenteil einhängen. Ich kann ihn trotz strahlenden Sonnenscheins überreden, den gesamten Safari-Room zu stellen und unter dem Vorzelt-Teppich unsere Folie mit aufblasbarem Rand (Isabella Base Ground) auszulegen. Ein schützenswerter Boden ist hier ohnehin nicht mehr vorhanden und ich habe Sorge, dass wir den nassen Boden durch den Vorzeltboden durchtreten.
Wir sind gerade mit dem Aufbau und einem verspäteten Mittagessen fertig und wollen eine Platzrunde drehen, da zucken Blitze am Himmel. Nur mühsam kann ich Malte davon abhalten, noch loszustürmen. Die schwarzen Wolken kommen schnell näher und wir können gerade noch die Dachfenster verriegeln, da öffnet der Himmel seine Schleusen.
In Minuten läuft das Wasser an den tiefer liegenden Stellen zusammen und bildet große Pfützen, der Boden ist einfach zu nass, kann kein Wasser mehr aufnehmen.
Blitze zucken, der Regen trommelt auf das Wohnwagendach. Malte ist sich noch nicht sicher, wie er das Ganze finden soll. Ich zaubere eine kleine noch unbekannte Mini-Lego-Box hervor und spiele Ablenkung. Der Mini-Traktor ist fertig, es schüttet immer noch.
Die aufgeschütteten Sandflächen sehen aus wie geflutete Sandkästen, rund um den Wohnwagen steigt das Wasser. Erinnerungen an einen Hollandurlaub vor 3 Jahren werden wach. Ja, wir wissen noch wie das ist, wenn das Wasser ins Vorzelt läuft.
Unsere Plane mit Mini-Damm steht und hält. Argwöhnisch läuft Sven an den Kanten Streife, ich baue Lego.
Irgendwann bewegt sich der Teppich beim Gehen, ok, wir sind also unterspült, die Folie hält – ein tolles Gefühl. Hat ein bisschen was von Wasserbett....
Nach gefühlten Ewigkeiten scheint die Wolke leer zu sein. In der Mitte unserer Stellfläche hat sich ein See gebildet, Schwäne kommen vom offenen Wasser zu uns herüber.
Eine lustige Holländerfamilie stapft zusammen quer durchs Wasser. Ungläubig werfen sie einen Blick in unser trockenes Vorzelt.
Jugendliche gegenüber eröffnen eine Partie Wasserball – alle nehmen es mit Humor.
Ein neuer Schauer vertreibt alle in die Zelte. Wir lassen uns das Abendbrot trotzdem schmecken.
Gegen 19 Uhr zieht dann endlich Ruhe ein, kein Trommeln mehr auf dem Dach – Stille.
Gut, wir sind trocken geblieben. Draußen beginnen die Aufräumarbeiten.
Hoffentlich haben wir in den nächsten Tage mit dem Wetter mehr Glück.
Gegen 22 Uhr holt Sven unseren Großen aus seinem Schlafzelt. Es ist mächtig Wind und – mal wieder – Starkregen aufgekommen und ich bin mir nicht sicher, ob das Zelt dem standhalten kann. Kein Risiko, schließlich haben wir ein gemachtes Stockbett im Wohni auf Abruf. So sind wir zumindest alle zusammen im Trockenen.
7.8.2011
Die ganze Nacht hören wir ein gleichmäßiges Regengeräusch. Gut, die Regenwanne hat gestern gehalten, das wird sie dann wohl hoffentlich auch jetzt. Im Schlafzeug im Vorzelt zu hocken sieht bestimmt lustig aus, bringt aber niemandem etwas. Mit der Hoffnung, dass alles gut werden wird, schlafen wir mehr schlecht als recht.
Am nächsten Morgen trifft uns der Schlag. Das Vorzelt ist noch trocken, zumindest innen, die Wanne hat gehalten. Ringsum stehen wir im Schlamm, die aufgeschütteten Sandteile haben sich mit der Erde und dem Wasser zu einer üblen Brühe verbunden. Bei Laufen im Vorzelt hat man das Gefühl, in einem Wasserbett zu stehen, das Vorzelt kann nur mit Gummistiefeln verlassen werden, die sogleich einige Zentimeter einsinken. Es riecht nach Abwasser und Schlimmerem, offenkundig laufen die Abflüsse über. Eigentlich kann man unser Stellfeld ganz platt als abgesoffen bezeichnen. Wir schauen uns ungläubig an und suchen nach einer Lösung. Entweder bleiben und dies für die gesamte kommende Woche als gegeben akzeptieren oder abreisen. Stellt sich die Frage, wie wir unseren ganzen Hausrat möglichst sauber einpacken können. So im Matsch und Schlamm geht er nirgendwo rein. Und weil es so schön ist, öffnet der Himmel die Schleusen und schickt Wasser.
Ok, in dem Regen kann man das Abbauen gänzlich streichen.
Die Mini-Camper sind beim Frühstück erstaunlich leise, Malte fragt ganz vorsichtig, ob wir hier im Matsch bleiben müssen....
Nach einigem Hin und Her und der einhelligen Meinung, dass dieser Zustand nicht der Urlaub ist, den wir uns vorstellen und der Abbau am Samstag genau so matschig ausfallen dürfte wie heute fangen wir an, abzubauen, immer mit bangem Blick zum Himmel – wird das Wetter halten?
Wir nehmen den Safari-Room stückweise ab und putzen ihn komplett innen und außen, der untere Bereich ist eine Katastrophe. Aufgrund der Tatsache, dass man nirgendwo auch nur ein Teil trocken ausbreiten kann, legen wir alles nacheinander auf dem Teppich ab und putzen. Wir sind satt. Aus der schwimmenden Kloake kann man die Wurmis stellenweise mit der Hand ziehen. Glücklicherweise klappt der Abbau auch wegen der geduldigen Kinder besser als erwartet. Ich bin Malte heute noch dankbar. Der Lütte saß ohne einen Mucks 5 Stunden im Wohni und puzzelte ein Puzzel nach dem nächsten.
Ehrlich? In einigen Momenten wäre ich am liebsten einfach losgefahren und hätte alles in den Müll schmeißen lassen....
Sven und ich sehen aus wie die Moorschweine. Unsere Birkis sind versunken, der Matsch war einfach überall. Nein, so reise ich nicht ab.
Nach einer Dusche empfängt mich ein neuer Regenschauer. Toll, nur weg hier. Der Wohni steckt im Matsch fest, also gehe ich mit Malte den Traktor holen. Er ist gerade dabei, einen neuen Urlauber auf den Platz zu ziehen...
Die Kids habe ich ins Auto verfrachtet, ich weiß noch nicht, ob und wie wir den Wohni hier heraus bekommen. Der Traktor zieht an, nichts passiert. Noch einmal, Sven hat den Mover im Blick. Der Traktor beginnt zu graben, den Platz kann man hinterher neu anlegen.
Mit 1 cm Spiel bis zum Mover und scharrenden Rädern zieht der Traktor unseren Wohnwagen vom Platz.
Wir rücken. Ich war noch nie so froh, einen Platz verlassen zu können.
Und nun?
Hauptsaison, nichts gebucht, unseren Platz in Delft haben wir erst in einer Woche. Egal, erstmal nach Süden.
Ich lotse Sven Richtung Süden und blättere nebenbei im Campingführer. Schön soll es sein, und trocken meint Malte. Eine Wiese reicht, meint Jan. „Aber trocken!“, verlangt Malte. Gut... mal sehen. Wir tanken auf Flevoland und gönnen uns ein Eis. Das haben wir uns verdient - mindestens.
Sven schlägt den Platz von vor 3 Jahren auf Flevoland vor. Nö, den kennen wir schon, wir wollen weiter nach Süden. Kurz hängt Italien in der Luft. Oje, wir sind wohl traumatisiert. Aus Vernunftsgründen wird der Vorschlag verworfen, Schließlich ist auch Delft schon bezahlt und Italien zu weit weg.
Im Campingführer finde ich einen Roompot-Park bei Tilburg, in Oosterhout. Ob wir mal anrufen? Nein, wir wollen erst den Platz sehen, notfalls reisen wir weiter. Gegen 19 Uhr kommen wir an und parken auf einem angrenzenden Parkplatz. Die Rezeption ist seit 17 Uhr geschlossen – lange Gesichter bei den Mini-Campern.
Ich entschlüssele etwas in holländisch von Notfall und Hilfe in der Bar, na, mal sehen.
Wir betreten den Platz und suchen die Bar. Malte ist vom riesigen Spielplatz begeistert und möchte unbedingt bleiben. In der Bar ist man sehr bemüht, wir sehen wohl ausreichend verzweifelt aus und haben Kinder-Bonus. Man schickt uns jemanden von der Security, der die Schranke öffnet und uns einlässt. Wir dürfen auf einer Wiese auf dem Platz stehen bleiben und sollen uns morgen in der Rezeption melden.
Wir fahren die beschriebene Wiese an und steigen aus. Malte stellt lautstark fest, dass der Boden gar nicht quietscht, Jan befühlt auf Knien den Boden. Muss ein lustiger Anblick sein, den wir abgeben

Eine Holländerin ruft uns ein „herzlich Willkommen“ von ihrem Wohni zur rechten zu, die Spanier gegenüber winken freundlich und bei den Holländern links nebenan hat Malte gleich jemanden zum Fußball spielen gefunden.
Müde lassen wir uns das Abendbrot schmecken und fallen ins Bett. Alles wird gut!